Buchstabensalat

Susanne. Das ist kein komplizierter Name. Er ist auch nicht so selten. Susanne stand zwar seit Jahren nicht auf der Liste der beliebtesten Babynamen,  es gibt aber trotzdem einige, die so heißen. Susanne. Sollte nicht so schwer sein,  das zu verstehen. Starbucks stellt das dennoch vor Herausforderungen. Suzanne haben Sie schon auf meinen Becher geschrieben. Susanna,  Susann, Susan. Sie lieferten schon alle Variationen,  die der Name so hergibt. Vielleicht spreche ich undeutlich. Aber einmal stand auch Sandra drauf. So undeutlich spreche ich nicht. Also habe ich es mal mit Sanne versucht. Das ist einfacher,  dachte ich. Dann stand Anne drauf.

Eigentlich ist das ja ganz nett,  dass sie den Namen auf den Kaffeebecher schreiben. Das ist so eine Art Hundemarkierung für Koffeinabhängige. Und morgens weiß man vom Bestellen bis zum Abholen vielleicht auch nicht mehr,  welchen Shot,  Flavor, Doubledings man wollte. Den eigenen Vornamen weiß man aber hoffentlich. Wenn es denn der richtige ist. In einigen Filmen ist der Name auf dem Becher auch der Anfang der 90-minütigen Liebesgeschichte,  weil der Typ die Angebetete direkt ansprechen kann und Eindruck schindet. Wäre ja schlimm,  wenn es diese Option nicht mehr gäbe.

Das Problem mit der Schreibweise lässt sich natürlich ganz leicht mit einem eigenen Becher lösen. Damit reduziert man auch das Müll-Problem (Immerhin werden in Deutschland stündlich 320.000 Coffee to go-Becher verbraucht – hat aber inzwischen sicher jeder mitbekommen…). Und nicht zu vergessen: Der eigene Becher ist wirklich mehr als markiert. Markierter geht es wohl kaum.

Ein anderes Problem mit der Schreibweise meines Namens lässt sich allerdings gar nicht so leicht lösen. Weiß. Mit Eszett. Der Nachname ist eigentlich nicht kompliziert. Weiß wie die Farbe. Weiß wie schwarz. Er ist auch nicht so selten. Das Örtliche liefert 10.000 Menschen, die in Deutschland so heißen. Und wir sind nicht verwandt. Zumindest größtenteils. In Weiß verbirgt sich ein „ß“. Und da fängt das Übel an. Ein Eszett. Wenn ich das allerdings sage,  ernte ich häufig verwirrte Blicke und lese später auf meinem Formular oder wo auch immer die Person meinen Namen hinschreiben musste, ein „sz“. Weiß halt auch nicht jeder,  wie man die Farbe „weiß“  schreibt. Und dass ein Eszett  ein „ß“ ist. Und das gibt es beim Russisch Brot ja auch nicht.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung möchte einen Großbuchstaben für das „ß“  einführen. Ich kann da nur sagen: Wird höchste Zeit. Auf meinem Ausweis steht „WEIß“. Auf meiner Versicherungskarte heiße ich „WEISS“. Genau wie in der Autorenzeile der Zeitung. Ziemlich verwirrend,  wenn man verschiedene Namen hat. Da ist man ein Leben lang auf der Suche nach sich selbst und findet sich nicht mal beim Namen wieder. Als Reaktion auf das vorgeschlagene große „ß‘ kam ein: „Kann man doch ganz abschaffen“. Meinen Namen abschaffen? Den nicht vorhandenen Russisch Brot-Buchstaben einfach unter den Tisch fallen lassen? Das ist nicht nett. Und man kann doch auch keinen Namen der Rechtschreibreform anpassen. Dann müsste ich künftig sagen: „Weiß,  wie die alte Farbe.“  Das Gegenüber würde dann entweder „grau“ verstehen,  also ein in die Jahre gekommenes weiß. Oder ich müsste erklären,  wie das Eszett in meinem Namen geschrieben wird. Dann hätte ich entweder immer einen nicht vorhandenen Russisch Brot-Buchstaben in meiner Tasche. Oder ich müsste lernen,  meinen Namen zu tanzen. Aber das versteht auch nicht jeder.

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